9 03, 2020

Wieder einmal nicht

2021-03-10T08:47:10+01:00

Coronavirus. Kein anderes Wort schürt in diesen Tagen so viele Ängste. Niemand kann sich dieser Hysterie entziehen. Die Welt geht unter. Das ist das Ende. So zumindest habe ich den Eindruck. Aber ist das wirklich wahr?

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Fakt ist: Epidemien und Pandemien gab es schon immer. Und das wird auch so bleiben. Es gibt sie nicht – die absolute Sicherheit. Das Leben ist ‘lebens’- gefährlich. Niemand hat Anspruch auf ein Leben ohne Leiden.

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Fakt ist aber auch: wir haben das Vorrecht in einem Land leben zu dürfen mit hervorragender medizinischer Versorgung. Unsere Virologen genießen weltweit einen exzellenten Ruf. Diese Fachleute arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.

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Doch wie reagieren die meisten Menschen in Deutschland? Wie aufgeschreckte Hühner gackern sie über fast nichts anderes. In Panik werden Regale leer gekauft. Manche Fassade fällt und es zählt nur noch das ‘Ich, ich, ich’. Wir haben keinen Bezug mehr zum ‘du’ – oder gar zu einem ‘wir’. Narzissten sind wir geworden. Feinster Güte! Und gelähmt sind wir – vor Angst! Wie das Kaninchen vor der Schlange. Das kleine kriegs- und krisengebeutelte Land Israel kann uns da ein Vorbild sein: Drastische Maßnahmen bei gleichzeitiger Gelassenheit und Forschung mit Hochdruck!

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Aber auch diese Krise geht vorüber. Es gibt auch dieses mal ein ‘Morgen’! Wie immer – denn so hat es uns die Geschichte gelehrt. Es ist also wieder einmal nicht das Ende. Fest versprochen!

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Wie die Welt ‘Morgen’ dann aussieht, liegt vor allem an uns. An unserem Handeln jetzt. An unserem ‘Gelernten’. Doch dazu bedarf es einer Reflektion. Eines Innehaltens. Ein Perspektivwechsel tut not. Gelassenheit und Zuversicht ohne Angst sind der Schlüssel!

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“Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag”. Dieses Kirchenlied – niedergeschrieben 1944 von Dietrich Bonhoeffer in seiner Todeszelle des NS-Regimes – kommt mir dabei in den Sinn. Ja. Es gibt diese Mächte. Und mit ihnen können wir getrost auf das Morgen schauen. Da bin ich mir ganz sicher! Obwohl ich – zugegebenermaßen – auch nicht immer angstfrei bin…

Wieder einmal nicht2021-03-10T08:47:10+01:00
21 02, 2020

Aufhören und anfangen

2021-05-03T08:08:32+02:00

Ja – wir leben in einer Zeit der Unsicherheit. Und ja – keiner weiß wie es wirklich weitergeht. Aber was nützt es, wenn wir erstarren und miesepetrig durch diese Zeit gehen? Ändern wir damit etwas? Ist es nicht so, dass die ‘Lebens-Unsicherheit‘ schon immer da war? Denn – wer weiß schon, wenn er morgens aufsteht, ob er den Abend noch ‘er-lebt‘?

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Was hindert uns also daran die Zeit als Chance zu sehen, um endlich einmal das zu tun was längst schon hätte getan werden müssen? Wofür uns aber bisher die Zeit gefehlt hat. Nutzen wir doch jetzt die jetzt freiwerdende Zeit um persönlich und als Gesellschaft zu wachsen. Also…

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Lasst uns damit aufhören ständig neue Schreckensbotschaften zu konsumieren. Lasst uns stattdessen damit anfangen zuversichtlich, humorvoll und positiv an die Zeit nach Corona zu denken. Lasst uns anfangen über all die schönen Dinge zu reden, die wir dann tun werden!

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Lasst uns aufhören darüber nachzudenken, was die anderen alles falsch gemacht haben, wo uns andere verletzt und schlecht behandelt haben. Lasst uns lieber damit anfangen uns bei den Menschen zu entschuldigen, die wir schlecht behandelt und verletzt haben. Lasst uns zum Hörer greifen und Beziehungen wieder in Ordnung bringen.

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Lasst uns aufhören die Zeit mit sinnlosen Aktionen totzuschlagen (Hamsterkäufe) und durch unser Leben zu hetzen. Lasst uns lieber zur Ruhe kommen und damit anfangen Gesellschaftsspiele mit unseren Kindern zu spielen. Oder die Bücher zu lesen, die schon lange bei uns im Regal aufs ‘gelesen werden‘ warten.

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Lasst uns aufhören uns nur um uns selbst zu drehen. Lasst uns lieber damit anfangen zu schauen, was der andere braucht. Was wir im Dienst am anderen tun können.

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Was auch immer für den Einzelnen wichtig ist. Es gibt viele Dinge die jetzt wirklich ‘dran‘ sind. Entscheidend ist, dass wir das erkennen, tatsächlich aufhören und endlich anfangen…

Aufhören und anfangen2021-05-03T08:08:32+02:00
1 09, 2019

Kosten-Nutzen?

2020-07-17T09:18:21+02:00

Ein Freund besucht mich. Er hat von meiner Wüstenwanderung gehört. Quer durch die Wüste Negev. Ca. 400 km – mehr als 20.000 Höhenmeter. Meist alleine und nicht selten ein bisschen – aber manchmal auch echt gefährlich. Lebens-gefährlich.

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Wieder steht so eine Tour an. “Sag mal, Kannst du dir das denn überhaupt leisten, so lange weg von der Firma?”, fragt mich der Freund. In seiner Frage spüre ich auch etwas Neid. Eine Antwort bekommt er nicht. Weil ich (noch) keine habe. Aber ich denke nach.

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Zwei Wochen später. Ein anderer Freund. Er ist Winzer. Selbst Unternehmer. Bei ihm ist es terminlich sehr eng. Die Lese steht vor der Türe – er ist auf Wachstumskurs – muss oft und komplett präsent sein. Entscheidungen treffen, am Ball bleiben. Selbst mit anpacken. Er wirkt gehetzt. Entscheidungen treffen ist nicht seine Stärke. Das teilt er mit mir. Und auch er stellt mir – wortgleich – diese eine Frage.

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Und fast reflexartig sprudelt es aus mir heraus: “Die Frage müsste eigentlich andersherum lauten – nämlich – kann ich es mir überhaupt leisten NICHT in die Wüste zu gehen?” Und plötzlich wird mir vieles klar…

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Eine Geschichte kommt mir in den Sinn: Ein Waldarbeiter sägt Bäume um. Ein Wanderer tritt hinzu, beobachtet das Geschehen eine Zeit lang und sagt: “Guter Mann, sie quälen sich und sägen Bäume um – ihr Sägeblatt ist aber derart stumpf, dass sie nicht wirklich vorankommen“. “Warum“, so fragt er dann, “Warum wechseln sie nicht das Sägeblatt?“. Der Arbeiter hält inne, schaut aber nicht auf und zischt durch die Zähne: „Weil ich keine Zeit dazu habe – denn ich muss weitersägen“.

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Im Nachhinein betrachtet habe ich in der Wüste Geld verdient. Und zwar mehr Geld, als ich hier – sitzend auf meinem Stuhl – hätte verdienen können. Denn nach der Wüste hatte ich wieder Ideen. Steckte voller Taten-Drang. Ich habe viele Dinge ent-wickelt. Dinge, die zuvor ver-wickelt waren. Habe vieles verändert – nach-justiert. Vieles für mich und meine Seele passend(er) gemacht. Ein Stück weit war die Wüste für mich ein ‘In-Ordnung-Bringer‘. Ich säge mit einem neuen Sägeblatt. Eine Zeit lang zumindest. Und dann wird es wieder Zeit…

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Für mich steht fest. Ich MUSS wieder gehen. Ich kann es mir nicht leisten NICHT zu gehen. So einfach ist das. Eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung also.

Kosten-Nutzen?2020-07-17T09:18:21+02:00
7 08, 2019

Die Gelegenheit

2019-09-04T12:08:51+02:00

Es ist der 28. März 2018. Ich bin in Eilat, am roten Meer. Dem südlichsten Zipfel von Israel. Hinter mir liegt eine 4-wöchige Wanderung durch die Wüste Negev. Mehr als 400 km zu Fuß – meist alleine, fast immer einsam und sehr eindrücklich. Spannend und manchmal lebensgefährlich.

Ich genieße den letzten Abend und bin auf dem Weg zu einem besonderen Restaurant. Klein, gemütlich – ein Geheimtipp. Gestern war ich auch da. Koscheres Essen – außergewöhnlich gut! Und doch blieb da ein Fragezeichen. Denn gestern konnte ich beobachten, dass alle nach mir kommenden Gäste abgewiesen wurden. Kein Einlass. Der Grund erschloss sich mir nicht. Platz war genügend da. Aber es kümmerte mich auch nicht. Ich war beschäftigt mit mir und mit meinem leckeren Essen. Gemüse mit Huhn. Köstlich – nach 4 Wochen Entbehrung erst recht.

Noch ein paar Meter. Dann bin ich da. Der Chef steht an der Eingangstüre und begrüßt mich mit einem fröhlichen ‘Shalom’. Ich lächle – die Vorfreude ist mir anzusehen. Umso erstaunter bin ich – und meine Vorfreude ist mit einem Mal verschwunden – als er mir heute auch den Eintritt verweigert. Ein Versehen – denke ich – und nehme einen zweiten Anlauf. Freundlich, aber bestimmt, werde ich wieder abgewiesen. Ich frage – höflich und doch sichtlich enttäuscht nach dem Grund. Der Chef antwortet mir – lapidar und mit einem immer noch freundlichen Gesicht: “Weil wir kein Essen mehr haben”. “WAS? Kein Essen? Wo gibts denn sowas?”, denke ich und ich versuche ruhig zu bleiben. Vielleicht ist es ja auch nur ein Scherz.

Auf meine weitere Nachfrage erklärt mir der Besitzer. “Ich gehe jeden Morgen auf den Markt und kaufe so viel frische Ware ein, dass, wenn wir das alles verkauft haben, ich einen guten Tag hatte”. Punkt. So einfach. “Dann”, so fährt er fort, “Dann ist mein Arbeitstag vorbei und ich verbringe die restliche Zeit des Tages mit meiner Familie”.

Ich bin ein schwäbischer Schaffer und ich erkläre ihm, dass es so etwas ‘bei uns’ nicht gibt. Er denkt kurz nach, holt tief Luft – und gibt mir die folgende Antwort: “Nun mein Freund”, sagt er, “Sieh es doch einmal mal von der anderen Seite”. Er legt seine Hand auf meine Schulter und spricht weiter. “Gott gibt dir heute die Gelegenheit, ein anderes tolles Restaurant kennen zu lernen”.

Ich bin gegangen und habe vorzüglich gespeist. In einem anderen, tollen Restaurant. Und je länger ich nachdenke, …

Die Gelegenheit2019-09-04T12:08:51+02:00
24 06, 2019

Nachkalkulation

2019-09-04T12:08:52+02:00

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Ich greife zum Hörer und rufe Herrn C. an. Weil – wir haben uns verkalkuliert und das muss ich dringend mit dem Kunden besprechen. Die Geräte sind bereits ausgeliefert, die Rechnung ist auch schon bezahlt. “Hallo Herr C.”, beginne ich das Gespräch, “wir haben uns total verkalkuliert und wir müssen uns noch einmal über die Preise des Projekts unterhalten”.

Herr C. am anderen Ende der Leitung wird hörbar nervös. Und leider lässt er mich nicht ausreden. Er erklärt mir sofort, und seine Stimme wird dabei deutlich lauter, dass er keine Chance sieht, einer nachträglichen Preisänderung zuzustimmen. Denn er habe das Projekt auch schon abgeschlossen und bereits die Rechnung gestellt. Außerdem gibt er mir sehr klar zu verstehen, dass er eine solche Art der ‘Preispolitik’ nicht akzeptieren wird.

Ich bleibe lange stumm und höre mir an was er zu sagen hat. Ich nehme seine Ausführungen ernst! Nach ein paar Minuten verstummt mein Gegenüber – immer noch sichtlich erregt. Ich sage dann: “Sie haben natürlich recht”. “Man kann die Preise für seine Produkte nicht einfach im Nachhinein ändern”. “Und trotzdem werde ich das tun – ob sie das nun wollen oder nicht”. Ich höre wie er tief Luft holt, also spreche ich schnell weiter. “Herr C.”, sage ich also langsam, “ich habe mich zu ihren UNGUNSTEN verkalkuliert und möchte ihnen Geld zurückzahlen”.

Ich hätte viel gegeben, um sein Gesicht in diesem Moment sehen zu können. Aber ich konnte es mir bildlich vorstellen. “Sie wollen mich verarschen”, höre ich ihn dann nach einer kleinen Pause sagen, “kein Mensch gibt Geld zurück, wenn er ein gutes Geschäft gemacht hat”. Seine Stimme klingt jetzt merklich sanfter. “Ich mache gerne und am liebsten gute Geschäfte”, antworte ich ihm. “Aber in diesem Fall hielte ich es für Betrug, weil es um viel Geld geht und weil ich einen Fehler gemacht habe”.

Eine kurze Erklärung zwischendurch. Wir haben für den Kunden 8 Systeme entwickelt. Allesamt sehr aufwändige Sonderbauten. Und dabei ist es zu einem Zahlendreher gekommen, der den Preis um ca. € 1.000,– nach oben geschraubt hat. PRO GERÄT wohlgemerkt! In Summe ging es also um immerhin € 8.000,–! Ich nenne ihm also die Summe, die er mit einem lauten “unglaublich” quittiert.

Wir haben noch viele Jahre gute und viele Geschäfte miteinander gemacht. Und von da an hat er – bei kleineren Projekten – immer wieder gesagt: “Ein Angebot brauche ich nicht – schicken Sie mir gleich die Rechnung”.

Nachkalkulation2019-09-04T12:08:52+02:00
31 05, 2019

Die Art zu denken

2019-09-04T12:08:52+02:00

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Die Wüste Negev, ganz im Süden Israels. Karg und felsig. Und die meiste Zeit des Jahres unerbittlich heiß. Für mich ein magischer Ort, fast schon ein ‚zuhause‘.

Nur wenige Menschen kreuzen dort meinen Weg – den ‚Shvil Israel‘. Meist junge Männer und Frauen. Nach Ihrer drei- bzw. zweijährigen Militärzeit ist das eine Art ritualisierter Abschluss. Aber auch Männer in meinem Alter begegnen mir. Das Besondere daran: diese Männer waren alle schon mindestens zweimal in einem Krieg. Und zwar in einem ‚Echten‘. Und doch sehe ich etwas in ihren Augen. Leben! Unbändig, aber vor allem optimistisch und mit viel Zuversicht.

Nach einem fröhlichen ‚Shalom‘ folgen die immer gleichen Fragen an mich: „Hast Du genug zu trinken?“, „Hast du genug zu essen?“ und „Weißt du schon, wo du heute Nacht schläfst?“. Im dann folgenden Gespräch werde ich regelmäßig gefragt: „Woher kommst du?“. „Ich komme aus Deutschland“ sage ich dann. Ein fröhliches „Willkommen!“ und „Schön, dich hier in unserem wunderschönen Land zu haben, Frank aus Deutschland“, schallt mir dann entgegen.

Unsere Gespräche vertiefen sich zumeist. Ein junger Mann hat mir einmal – und dabei blickte er mir freundlich in die Augen – erzählt: „Mein Großvater ist in Dachau gestorben“. Dann hat er mir seine Hand hingestreckt und gesagt: „Danke, dass sich Deutschland so zuverlässig um meine Großmutter gekümmert hat“. „Sie ist“, sagt er weiter, „vor ein paar Monaten im Alter von 96 Jahren verstorben und hatte bis dahin noch ein sehr schönes Leben“. Ich bin beschämt über so viel Weitherzigkeit, Vergebung und Zuversicht.

Ich mag wie die Menschen dort denken. Alles ist auf das Hier und Jetzt gerichtet und die Zukunft wird nicht pessimistisch, sondern lösungsorientiert gedacht. Dazu fällt mir ein jüdischer Witz ein, der diese Art zu denken auf den Punkt bringt.

Gott beschließt, eine neue Sintflut zu schicken. Er ruft die Abgesandten der drei Religionen zu sich und verkündet: „Genug ist genug! Der Mensch ist schlecht und lernt nicht dazu. In drei Tagen ist es vorbei mit der Menschheit“. Und Gott weiter: „Geht hin und verkündet dies euren Schäflein“. Die drei Kirchenführer kehren zurück. Der Papst spricht zu seinen Schäflein: „Hüllt euch in Sack und Asche und tut Buße – das Ende naht“. Der evangelische Bischof spricht: „Uns bleibt nur das inbrünstige Bitten um Gnade, damit ER uns erhöre und das furchtbare Schicksal von uns abwende“. Der Oberrabbiner hingegen tritt vor seine Gemeinde und sagt: „Juden, wir haben noch 72 Stunden Zeit, um zu lernen, wie man unter Wasser lebt“.

Die Art zu denken2019-09-04T12:08:52+02:00
9 04, 2019

100 – 10 = 110

2019-09-04T12:08:52+02:00

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Wie bitte? Das ist unmöglich – die Rechnung geht doch niemals auf! Doch – tut sie. Bei mir schon seit vielen Jahren.

Mein Steuerberater schreibt mir: „Ich habe alles mehrfach kontrolliert – die Summe hat sich nicht verändert.“ Und weiter schreibt er: „Es ist erstaunlich – hoffen wir, dass es das Finanzamt genau so sieht und die Summe bestätigt wird.“ Ich lese seine Zeilen, denke kurz nach, dann schreibe ich ihm zurück: „Das Finanzamt wird es genau so sehen. Denn – es ist wie ich es sage. Der Verstand kann das nicht ‚begreifen‘ – aber: Wer gibt, dem wird gegeben.”

Meine diesjährige Steuerrückerstattung hat wieder einmal eine – auch für meine Verhältnisse – unerklärlich hohe Summe ergeben. Mein Steuerberater sitzt ratlos vor seinem Laptop und schaut ungläubig auf den auf dem Display erscheinenden Rückerstattungsbetrag. „Das kann nicht sein – das kann ich mir nicht erklären“, murmelt er vor sich hin und spricht es dann auch laut aus. Ich stehe hinter ihm und ich habe ein – das muss ich zugeben – breites Lächeln im Gesicht. Immer wieder drückt er auf den Button ‚Summe neu berechnen‘. Und immer wieder erscheint der immer gleiche Betrag. Und auch mein breites Lächeln bleibt.

Diese Situation wiederholt sich. Alle Jahre wieder. Und jedes Jahr das gleiche – ungläubige – Gesicht meines Steuerberaters. Aber ich bin sicher, irgendwann wird er es auch kapieren. Nämlich, dass man das nicht verstehen KANN – sondern einfach so hinnehmen muss und darf.

Seit nunmehr über 15 Jahren praktiziere ich das so. 10% von ALLEM was reinkommt geht sofort wieder raus. Ohne Ausnahme. Ob Gehalt, Geschenk oder Steuerrückerstattung. Es ist mir inzwischen ein liebes Ritual geworden. Wenn Geld reinkommt, freue ich mich dankbar, setze mich fröhlich an meinen Rechner, gehe ins Online-Banking und schicke den 10-ten Teil sofort wieder auf die Reise. Dahin und dorthin. Und ich merke deutlich, dass sich seither etwas geändert hat. In meinem Denken und auch in meiner Realität.

Nie zuvor habe ich eine so tiefe Dankbarkeit für meine Einkünfte und Erträge verspürt. Nie zuvor waren meine Finanzen so entspannt. Nie zuvor hatte ich mehr. Ich kann es nicht erklären. Und eigentlich dürfte es – nach mathematischen Grundsätzen – nicht so sein. Aber es ist so – loslassen hat etwas befreiendes und macht dankbar. Loslassen ist Gewinn. In jeder Hinsicht. Und ja – die ‚Rechnung‘ geht auf. 100 – 10 = 110. Mindestens!

100 – 10 = 1102019-09-04T12:08:52+02:00
17 12, 2018

Das Delta

2021-03-19T11:26:19+01:00

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Es passiert einfach – immer mal wieder. Meine Finger tanzen – scheinbar in Trance und gelenkt durch einen nicht greifbaren Impuls – geschickt und flink über die Tastatur. Worte und Sätze entstehen, werden geformt, aus mir heraus.

 

Einem Aufwachen gleicht dann das anschließende Lesen. Was habe ich (mir) geschrieben? Was habe ich (mir) zu sagen? Was ist an meinem ‘Türsteher‘, dem Verstand, vorbei geschlüpft? Vorbei aufs Papier – und ganz tief von Herzen kommend.

 

“Dein Blog ist toll geschrieben“, höre ich immer mal wieder. “So ehrlich, so persönlich“. Grundsätzlich freue ich mich auch über Feedback. Noch dazu, wenn es positiv ist. Ist es doch auch ein Stück Anerkennung. Ein bisschen ein ‘gesehen werden‘. In der Umkehr scheinbar mein größtes Lebensdefizit. Aber dann gibt es da auch noch einen – manchmal nicht ganz kleinen Rest – an Unsicherheit in mir. Gefühlt gar eine gefühlte ‘Verlogenheit‘.

 

Denn manches was ich schreibe, passt so gar nicht zu meinem tatsächlichen Leben. Ist mehr Sehnsucht und Wunsch als Realität. Ist mehr ‘sollte‘ als ‘ist‘. Das Delta zwischen dem geschriebenen Wort und der Realität ist manchmal groß. Ich scheitere oft an meinen eigenen Vorstellungen. Und trotzdem tut es mir gut. Das Nieder-, das von der Seele-Schreiben. Denn es zeigt mir, was in mir wohnt. Ganz tief drinnen. Teilweise verschüttet. Durch die Erfahrungen und Schmerzen des Lebens. Aber mit einem mächtigen Drang nach Draußen. Mit der Sehnsucht ‘geboren‘ zu werden – auf die Welt und in mein Leben zu kommen.

 

Ich habe eine Gabe zu schreiben. Und scheinbar erreiche ich durch dieses Schreiben eine Ebene in mir (und teilweise auch in der Leserschaft), an die ich sonst nicht herankommen würde. Eine Ebene, die, ohne diese Trance, unberührt und unbeachtet und somit auch ungenutzt bliebe. Und auch wenn das geschriebene Wort in meinem Blog nicht immer mit meiner Lebens-Realität übereinstimmt, so ist es doch für mich ein ‘mich auf den Weg‘ machen. Eine Sehnsucht erspüren und formulieren. Ein ‘da geht es hin‘, oder ein ‘dort wohnt deine Seele‘. Ein Wegweiser zu mir selbst.

 

So gesehen ist es gar keine Verlogenheit, sondern das Formulieren eines ersehnten Ziels. Das offen legen eines Teils meiner Seele. Aber auch ein ‘mich verletzbar machen‘. Ein Zeigen – meiner Menschlich- und Fehlbarkeit. Im Privaten – aber auch in der Geschäftswelt. Und irgendwie bringt mich jeder Eintrag einen kleinen Seelen-Schritt weiter. Zu mir.

Das Delta2021-03-19T11:26:19+01:00
28 08, 2018

Meine Entscheidung

2019-09-04T12:08:52+02:00

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Es ist heiß – sehr heiß. Ich bekomme die Ausschreibung eines (halb-)staatlichen Unternehmens auf den Tisch. 60 (in Worten SECHZIG!) Seiten Vertragswerk für ein paar läppische Terminals. Und irgendwie kommt mir die Ausschreibung bekannt vor. Ich greife zum Telefon und rufe den auf den Unterlagen benannten Ansprechpartner an. Auf meine Anfrage erklärt er mir, dass es sich um die Wiederholung einer alten Anfrage handele.

Und ich erinnere mich. Vor ca. 2 Jahren habe ich die Ausschreibung schon einmal bekommen. Ich habe Zeichnungen erstellt, habe viele Telefonate mit dem potentiellen Auftraggeber geführt. Ich habe das komplette Vertragswerk durchgearbeitet und gewissenhaft ausgefüllt. Fast eine komplette Woche meines Lebens war ich beschäftigt. Mit dem Ergebnis, dass Teile meiner Zeichnungen und Verbesserungsvorschläge in die Ausschreibung eingeflossen sind.

Ein „ganz günstiger Anbieter“ hat dann den Zuschlag erhalten. So zumindest die damalige Aussage des Einkäufers. Ich frage nach, warum es dann damals nicht zur Umsetzung gekommen ist. „Nun“, sagt mir der Kollege am Telefon lapidar, „der damalige Auftragnehmer hat Insolvenz angemeldet und sich ins Ausland abgesetzt“.

Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Und meine Lust zum erneuten Ausfüllen der Unterlagen ebenso. Also mache ich dem Einkauf zwei Alternativvorschläge – nämlich a) Ich fülle dieses Mal zunächst nur das Preisblatt aus und spare mir erst einmal den Rest. Oder b) ich werfe die Unterlagen in den Papierkorb und verbringe die gewonnene Zeit mit meiner Tochter im Freibad.

Lange Zeit keine Reaktion. Dann – kurz vor Ablauf der Abgabefrist – kommt eine Mail (ich vermute mal, dass es dieses Mal nicht viele ‘Bewerber’ gab). Mir wird mitgeteilt, dass ich – wenn ich an der Ausschreibung teilnehmen wolle – die kompletten Unterlagen durcharbeiten und erneut ausfüllen müsse. Oder aber ich müsse mich für die Alternative ‚b)‘ entscheiden.

IMG 6730 Meine EntscheidungIch habe dann meine Tochter zu mir gerufen und wir haben ein Selfie gemacht. Ich weilte nämlich just zum damaligen Zeitpunkt im Freibad. Dann habe ich dem Kollegen aus dem Einkauf die folgende Antwort geschickt: „Angehängtem Foto können Sie meine Entscheidung entnehmen“. Seitdem herrscht Funkstille :-)

Meine Entscheidung2019-09-04T12:08:52+02:00
14 08, 2018

Dem Nägele sein Wägele

2019-09-11T18:20:03+02:00

Jeder Mensch zieht ihn. Seinen persönlichen Lebenswagen. Auch ich. Manchmal ziehe ich kraftvoll. Ich bestimme Tempo und Richtung. Doch manchmal schiebt der Wagen auch mich. Dann habe ich die Kontrolle verloren. Dann bin nicht mehr Herr meines Lebens. Dann bin nicht mehr Hüter meiner Seele.

Mein Lebenswagen ist vollgeladen. Immer. Kinder, Eltern, Freunde, Hobbies, Arbeit, Sport, Freizeit. Vieles davon ist fest verwachsen. Mit mir und mit meinem Leben. Untrennbar – unabladbar. Vieles davon bringt Lebensfreude – Lebenslust. Manches drückt mich. Er-drückt mich. Macht mir das Leben schwer – macht Lebens-müde. Alternativlose Lebenslast?

“Und – läuft bei Dir?” – frage ich meinen Sohn. “Klar”, sagt er, “rückwärts zwar und bergab – aber läuft”. Ich muss lachen. Auch weil in seiner Antwort eine große Wahrheit liegt. Denn – so habe ich den Eindruck – wir legen großen Wert darauf, immer in Bewegung zu sein. Und wenn es kein aktives Ziehen ist, dann wollen wir doch wenigstens geschoben werden. Von unseren Terminen, Veranstaltungen oder sonstige Verpflichtungen. Alles scheint besser als Stillstand. Denn Stillstand ist Rückschritt…

Stillstand ist Rückschritt? Was in unserer Sprache negativ belegt ist, ist mir inzwischen zu einem wertvollen Gut geworden. Zweimal im Jahr begehe ich deshalb meinen persönlichen ‘Wägelestag’. Ich werde still – ich stehe still – und trete ganz leise und bewusst einen Schritt zurück. Meine Perspektive ändert sich. Mein Blickfeld erweitert sich.

Ich betrachte meinen Lebenswagen. Lade ab was mir zu Last geworden ist – räume auf. Das ist Arbeit. Stille, schwere, harte Arbeit. Denn es braucht Mut loszulassen. Es braucht Kraft, den Verlust des Losgelassenen auszuhalten. Und es braucht Ausdauer das Loslassen im Alltag durchzutragen. Das gelingt auch mir nicht immer! Denn auch bei mir gibt es Dinge, die es sich – eigentlich längst abgeladen – ‘schwuppdiwupp’ wieder bequem machen auf meinem Lebenswagen.

Und doch merke ich nach jedem Wägelestag. Mein ‘Wägele’ ist leichter. Es lässt sich besser ziehen und lenken. Es drückt nicht mehr so sehr – es schiebt nicht mehr so sehr. Und – es bietet wieder Platz. Zum Atmen und zu neuer Freiheit.

Dem Nägele sein Wägele2019-09-11T18:20:03+02:00